Pfaffenhofener Tierschutzverein ausgezeichnet


Der Tierschutzverein Pfaffenhofen unterstützt Rettung verwahrloster Tiere:

Schlimme Bilder, noch schlimmere Zustände

 

Wenn Mitarbeiter der Tierherberge Pfaffenhofen ausrücken zu einem Fall von „Animal Hoarding“, erwartet sie selten ein erfreulicher Tag. Seelisch und moralisch entsprechend vorbereitet machten sie sich auch am Freitag auf den Weg. Und rechneten mit schlimmen Bildern. Es wurde schlimmer, wie sich bald zeigte.

Animal Hoarding bedeutet übersetzt etwa das Sammeln oder das Horten von Tieren. Eigentlich nichts Besonderes, oder? Leider doch. Meist geht es dabei um viele Tiere. Viel zu viele Tiere. „Das geht häufig einher damit, dass diese falsch verstandene Sammelleidenschaft aus dem Ruder läuft“, erklärt ein Sprecher der Herberge. Die Besitzer werden den Anforderungen der Tiere nicht mehr gerecht, vernachlässigen sie, füttern und pflegen sie nicht artgemäß. Kurz, die Tiere verwahrlosen. Bis hin zu dem Punkt, an dem sie verhungern, verdursten, an Krankheiten sterben. Sogar unmittelbare Nachbarn bekommen häufig keinen Wind davon, welches Tierleid sich in ihrer Nähe abspielt. Bis es irgendwann anfängt zu riechen.

An diesem Freitag hatte das staatliche Veterinäramt den Pfaffenhofener Tierschutzverein um Hilfe gebeten. Im Raum Pfaffenhofen stehe eine Räumung bei einem Hasenzüchter an. Bereits tags vorher waren leitende Mitarbeiter des Veterinäramtes vor Ort gewesen, dort allerdings von einem Bewohner beschimpft und massiv bedroht worden. Sie mussten aus Gründen der eigenen Sicherheit unverrichteter Dinge wieder abziehen. Beim zweiten Versuch sollten die Tierschützer die Beamten begleiten. Zur Sicherheit aller Beteiligten wurden zusätzlich zwei Polizeibeamte zugezogen. „Es war unbeschreiblich“, schildert die Vorsitzende des Tierschutzvereins, Manuela Braunmüller ihren ersten Eindruck. „In einem fensterlosen Raum standen übereinander winzige, verrottete Holzkäfige, in denen über 20 Kaninchen saßen. Teilweise waren erwachsene und junge Tiere zusammengepfercht. Zusätzlich hielten sich auch Hühner und Enten in diesem Raum auf. Eine Ente brütete direkt neben der Tür. Vor der Tür eine Kiste, in der ein bereits mumifiziertes Huhn lag. Ebenfalls in dieser Kiste, direkt neben dem Kadaver, einige, wie die Besitzerin der Tiere es formulierte: ‚frische Eier‘. Je länger wir uns in diesem Raum aufhielten, desto beißender wurde der Ammoniak-Gestank.  Wir mussten immer wieder den Raum verlassen, um Frischluft zu atmen.“

 

Rettung in letzter Minute

 

In den meisten Käfigen hatte sich eine rund 30 cm hohe, festgepresste Schicht aus Heu und Exkrementen gebildet, auf denen die Tiere auf ihren eigenen Ausscheidungen sitzen mussten. Weil sie krank waren, so die Entschuldigung der Besitzer, seien die Ställe zuletzt im April ausgemistet worden. Zum Teil mussten die Jungtiere freigeschaufelt werden aus Höhlen, die sich unter dieser stinkenden, gärenden, teils verschimmelten Schicht befanden. Die Tiere konnten sich in ihren Gefängnissen kaum bewegen. Dank des routinierten Einsatzes der Amtstierärzte waren nach rund einer Stunde alle 22 Kaninchen aus ihrer jämmerlichen Lage befreit. Die Enten und Hühner waren, mit einer Ausnahme, bereits geschlachtet worden. Alle Kaninchen wurden in die Tierherberge Pfaffenhofen gebracht. Dort weiß man allerdings kaum, wo man sie unterbringen soll. „Dankenswerterweise haben die Kollegen des Tierschutzvereins Freising sich spontan bereiterklärt, einen Teil der Tiere zu übernehmen“ sagt Manuela Braunmüller. „Leider schmälert diese Hilfe der Kollegen unser Platzproblem wohl nur vorübergehend. Weil die unkastrierten Rammler zusammen mit den weiblichen Tieren gemeinsam untergebracht waren, sind einige der Weibchen bereits wieder trächtig.“ Offenbar erfolgte der Einsatz in letzter Minute: Laut Halter waren die Tiere bereits für den Nachmittag des Tages zur Schlachtung angemeldet. Da schon am Vortag eine Besichtigung durch das Veterinäramt durchgeführt worden war, hatte der Besitzer noch am gleichen Tag die ersten Kaninchen zum Schlachten gebracht, um sie vor dem Zugriff der Amtstierärzte zu „bewahren“.

Momentan gehe es den Kaninchen bis auf ein paar kleinere Blessuren den Umständen entsprechend gut, so der aktuelle Bericht aus der Tierherberge. Was für andere Tiere selbstverständlich ist, empfänden diese Tiere offensichtlich als Wellness pur. Die Mitarbeiter freuen sich mit: „Diese Tiere sehen zum ersten Mal in ihrem Leben Tageslicht und atmen frische Luft.“

Dem bisherigen Besitzer fehle nach wie vor Einsicht und jedes Unrechtsbewusstsein, was sein Tun betrifft. Im Gegenteil. Beim zweiten unangemeldeten Besuch des Veterinäramtes drohte er dem Amtsleiter unverblümt: „Beim nächsten Mal geht’s nicht mehr so gut aus für Sie!“

Dem Mann wird nun ein Halteverbot für Kaninchen auferlegt. Eine Anzeige wegen des Verstoßes gegen Tierschutzgesetzt dürfte folgen. In Paragraph 2 des Tierschutzgesetzes, Absatz 1 heißt es: „Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen.“.

Doris Siegenthaler-Braun ist seit einem Jahr Mitarbeiterin in der Tierherberge. Sie ist für Kleintiere zuständig, und war zum ersten Mal bei einem solchen Einsatz dabei. Trotz der schrecklichen Bilder zieht sie für sich eine gute Bilanz: Die Damen und Herren vom Veterinäramt handelten absolut souverän in dieser Angelegenheit. Ich war erleichtert und wirklich beeindruckt. Ein tolles Miteinander zum Wohle der Tiere!“ Dann grinst sie. Einerseits stolz, aber auch ein wenig verlegen: „Und ich durfte dabei sein.“  

 

 Wie geht es weiter?

Noch am Wochenende wurden die Kaninchen von einer Tierärztin in der Herberge erstmals untersucht, gegen Parasiten behandelt und geimpft gegen die Kaninchenseuchen RHD und Myxomatose. Die erwachsenen Kaninchen werden bereits im Laufe dieser Woche kastriert; die Jungtiere folgen, sobald sie alt genug sind. „Wir können also recht bald die ersten Tiere vermitteln“, erklärt Sandra Lob, die Leiterin der Tierherberge.

Ausgeschlossen sei eine Abgabe in Einzel- oder Käfighaltung. Stattdessen sollen die Tiere – endlich – in großzügigen, artgerecht eingerichteten Gehegen leben dürfen, die gesichert sind gegen Marder und Füchse. Außerdem sollen sie Tag und Nacht Rückzugsmöglichkeiten unter anderem gegen Wind und Wetter haben. Lob runzelt die Stirn: „Und dass mir bloß niemand an eine ‚Haltung‘ in einem Kochtopf auch nur denkt!“

 

Hier Bilder und weitere Berichte der örtlichen Presse über diesen Fall:

 

https://www.donaukurier.de/lokales/pfaffenhofen/DKmobil-wochennl342018-Schimmeliges-Heu-Kot-und-kein-Licht;art600,3888122

 

https://pfaffenhofen-today.de/46154-tierschutz-200818

 

 

 

 

 


Banjo überlebt nur knapp

Schwer verletzter Kater an der B 300 von Lieferwagenfahrer aufgelesen Tierschützer suchen nun den Besitzer

 Schrobenhausen / Pfaffenhofen (dbr) Eine offene Wunde über den halben Rücken: So hat ein Lieferant den Kater Banjo bereits am vergangenen Dienstagmorgen am Straßenrand an der B 300 - wo genau, konnte der Finder wegen der Dunkelheit gar nicht mehr sagen, teilt die Tierherberge Pfaffenhofen mit. Der Finder nahm das verletzte Tier mit, beendete erst noch seine Lieferung in Augsburg und brachte Banjo dann in eine Tierklinik.


Ein neues Leben für Katze Tina

Misshandelte "Paketkatze" nach Monaten in Pflegestelle vermittelt

Pfaffenhofen (PK) Sie hat ein grausames Martyrium hinter sich: Nur eine der beiden Katzen, die Anfang November als Pakete verschnürt in einem Auto gefunden wurden, überlebte.

Tina hat nun ein neues Leben in einer Pflegestelle begonnen und sogar wieder Vertrauen zu Menschen gefasst. Ihr Weg dahin war nicht leicht. 

(Dieses Thema wurde auch in der Bild, AZ-Bayern und Rosenheimer Zeitung abgedruckt)


Verstört, verletzt, gefesselt: Pfaffenhofener Polizei befreit Katzen aus vermülltem Pkw

Die Bänder, mit denen die Tiere verschnürt worden sind, waren zum Teil bereits ins Fleisch eingewachsen. Gegen den verwirrten 72-Jährigen wird jetzt ermittelt.


Schwer misshandelte Katze stirbt an Folgeschäden

Die am 18. Januar in die Tierherberge Pfaffenhofen, mit alten Knochenbrüche der Hinterbeine und einer Luftgewehrpatrone im Körper, eingelieferte Katze ist nach 10 Tagen intensivster Pflege an den Folgeschäden der Tierquälerei gestorben.

Am 18.01.18 traf in der Tierherberge Pfaffenhofen und Umgebung die Meldung einer nicht gekennzeichneten Fundkatze mit offensichtlich erheblichen Bewegungseinschränkungen der Hinterläufe ein. Das dehydrierte und hochgradig unterernährte Tier wurde vom Finder direkt in die mit der Tierherberge zusammenarbeitende Kleintierpraxis Pfaffenhofen gebracht. Zur Stabilisierung wurde die geschwächte Katze umgehend an einen Tropf gehängt.

 

Bei den anschließenden Röntgenuntersuchungen zeigten sich nicht nur ein alter Oberschenkelbruch, sowie ein Oberschenkelhalsbruch am anderen Bein, sondern auch ein noch in ihr steckendes Luftgewehrprojektil. Offensichtlich ist auf die Katze geschossen worden. Zusätzlich lag die Vermutung nahe, dass ihr auch die Brüche absichtlich zugefügt wurden. Die für die erforderlichen Operationen notwendigen Blutuntersuchungen konnten aufgrund des schlechten Allgemeinzustandes vorerst nicht durchgeführt werden.

Damit dieser schnellstmöglich verbessert wird, wurde die Katze an die Tierherberge Pfaffenhofen übergeben. Dort wurde sie in der Quarantäne weitergehend medizinisch versorgt und liebevoll gepflegt. Nachdem der Zustand der Katze sich erst deutlich verbessert hatte und sie gierig Nahrung zu sich nahm, erbrach sie sich am Morgen des 29.01.18 mehrfach und schrie trotz Schmerzmitteln.

Sie wurde von der Tierherberge umgehend zum Tierarzt gebracht. Dort verstarb sie trotz aller Bemühungen des Tierschutzvereins und der Kleintierpraxis an einem Organversagen. Bisher sind leider noch keinerlei Hinweise auf den Tierquäler eingegangen.

Da hier offensichtlich ein massiver Fall von Tierquälerei vorliegt, der dem Tierschutzgesetz §1 „Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen“ widerspricht, wurde vom Tierschutzverein Pfaffenhofen und Umgebung eine Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

 

Wegen der hierbei eher geringen Erfolgsaussichten den Täter zu ermitteln, erwägt der Tierschutzverein sich mit den Gemeinden bezüglich einer allgemeinen Kennzeichnungspflicht für Katzenauszutauschen. Gesetzlich ist eine solche Kennzeichnungspflicht in Deutschland leider noch nicht verankert. Es obliegt den Gemeinden jedoch selbst, eine solche Regelung für ihren Zuständigkeitsbereich einzuführen.

 

Tierschutzverein Pfaffenhofen
vom 30.01.18 
(auch im Pfaffenhofener Kurier)

 

(Dieses Thema wurde auch im Pfaffenhofener Kurier, Pfaffenhofen Today und im Hit Radio behandelt)